Ohayo Gozaimasu Nippon

Tag Vier – Hiroshima Peace Memorial Park | Samstag, 12 Januar 2008

Für den vierten und letzten Tag hatte ich mir für Vormittag und Mittag den Besuch des Peace Memorial Parks vorgenommen. Ich hatte mir vorher überlegt, dass der Besuch besonders der Ausstellung und des Museums zum Gedenken der Atombombenopfer sicherlich bedrückend sein wird, weswegen ich das auf den letzten Tag gelegt habe. So konnte ich dann den Rest des Tages meinen Gedanken im Zug zurück nach Fujimino nachgehen.

Ich bin gegen 9 Uhr dann raus aus meinem schlichten Zimmer im Business Hotel und dann mit der Straßenbahn raus zum Peace Memorial Park gefahren. Die Straßenbahnwagen wurden laut Touristenguide von der Stadt Dortmund gesponsert, als diese neue angeschafft hatte. Es gab aber auch ein paar sehr moderne, ich bin mit einem der alten gefahren, sehr lustig, genauso wie bei uns in Cottbus🙂

Am Peace Memorial Park angekommen habe ich mir zuerst den A-Bomb Dome angeschaut. Der steht in unmittelbarer Nähe des Epizentrums der abgeworfenen Atombombe und ist eines der wenigen Gebäude, die damals nicht komplett vernichtet wurden. Hier mal zwei Bilder vom Gebäude.

Hiroshima - 1 Hiroshima - 2
Es gab viele Hinweistafeln und Inschriften, wo die Zerstörung der Bombe dokumentiert wurde. Fast das gesamte Stadtgebiet wurde durch die Zerstörungswellen der Bombe vernichtet (Hitze, Druck und Strahlung). Im Peace Memorial Park gibt es auch mehrere Monumente, für die gestorbenen Koreaner (teilweise Zwangsarbeiter zu der Zeit in der Rüstungsindustrie) und für die gestorbenen Kinder beispielsweise. Es gibt auch ein großes Archiv, wo die Geschichten der Überlebenden aufgezeichnet wurden, dort kann man sich Audioberichte der Überlebenden anhören und ihre Geschichten nachlesen. Viele Menschen sind damals im Feuersturm nach der Bombe ums Leben gekommen, weil sie unter Trümmern verschüttet waren und nicht entkommen konnten. Diese Geschichten der Überlebenden sind absolut tragisch, wenn zum Beispiel ein damals junges Mädchen schildert, dass sie in der Schule verschüttet waren und ihre Freunde und Schulkollegen unter Trümmern des Dachs verschüttet waren und sie angefleht haben, Arme oder Beine abzuschneiden, damit sie aus den Trümmern entkommen konnten, weil das Feuer sich ausgebreitet hat. Da muss man ganz schön schlucken…

In einer Haupthalle zum Andenken an die circa 140.000 gestorbenen Menschen (die Opferzahlen gehen auseinander, die Amerikaner gehen von weniger gestorbenen aus, die Japaner von mehr) gibt es ein großes Mosaik, aufgebaut aus über 140.000 Steinen. Hier mal ein zwei Bild davon…

Hiroshima - 3 Hiroshima - 4

Hier mal ein paar weitere Photos vom Gelände, abgebildet ist auch das Monument für die gestorbenen Kinder mit den vielen Papier Kranichen, die von Schülern weltweit gebastelt wurden und regelmäßig eingesendet und ausgestellt werden. Auch heute noch gibt es regelmäßig tausende von neuen Kranichen. Die Idee für dieses Monument wurde von den Kindern der Schule entworfen, auf die damals das Mädchen Sadako ging. Ihre Geschichte ist eine der berühmtesten, sie ist an Leukämie erkrankt, durch die Strahlung der Bombe. Während ihres Kampfes gegen die Krankheit hat sie im Krankenhaus angefangen, Papier Kraniche zu falten, weil nach einer alten Legende einem 1 Wunsch erfüllt wird, wenn man 1000 Kraniche gefaltet hat. Es gibt hier widersprüchliche Aussagen, teilweise wird gesagt, dass sie gestorben ist, bevor sie die 1000 Kraniche fertig gestellt hat, im Museum und der Ausstellung steht aber, dass sie mehr als 1000 Kraniche gefaltet hat, besonders nach den ersten 1000 hat sie angefangen, die Kraniche immer kleiner zu falten… teilweise waren sie so klein, dass sie sie mit einer Nadel gefalten hat!

Hiroshima - 5 Hiroshima - 6

Im Museum wurde der gesamte Hergang, mit Vor- und Nachgeschichte ausgiebig erläutert. Auch die Gründe für den Abwurf der Bombe wurden intensiv diskutiert. Die Gründe aus amerikanischer Sicht waren ja hauptsächlich auf eine schnelle Kapitulation von Japan ausgerichtet, um eine mögliche Invasion zu umgehen, die den Amerikanern nach viele tausend Opfer unter den amerikanischen Soldaten gefordert hätte und um andererseits die enorm hohen Entwicklungskosten der Bombe zu rechtfertigen, weil diese sonst vom amerikanischen Volk in Frage gestellt worden wären (zumindest war das die Meinung der Militärs und Politiker damals). Meiner Meinung nach sehr fragwürdige Gründe… die Kapitulation von Japan zu der Zeit wäre wohl durch die ey bevorstehende Kriegserklärung der Sowjetunion an Japan und eine konventionelle Belagerung genauso herbei geführt worden. Die japanische Philosophie der Vermeidung des Gesichtsverlusts und die Hirnlosigkeit des Militärs, das damals in Japan ja an der Macht war, hatte eine Kapitulation der eigentlich schon geschlagenen Nation zu der Zeit allerdings verhindert.

Kritisch ist auch der Abwurf der zweiten Bombe auf Nagasaki. Die Militärs in Tokyo hatten von den Auswirkungen der ersten Bombe noch gar keine konkreten Informationen, weil aus Hiroshima kaum Meldungen nach Tokyo drangen…. die Amerikaner hatten am Tag des Abwurfs dann auch die Kapitulation von Japan gefordert… die Militärs hatten aber nicht reagiert, weil sie noch nichts aus Hiroshima wussten. Die zweite Bombe wurde 3 Tage später, am 09. August abgeworfen, Japan kapitulierte am 16.August, als der Kaiser die Kapitulation seinem Volk per Ansprache mitteilte.

Dies und vieles mehr kann man im Museum nachlesen. Dort gibt es auch einen Bereich, der sich intensiv mit den Folgen der Atombombe auseinander setzt. Besonders die Strahlenschäden sind es ja, die im Vergleich zu normalen Bomben so zerstörerische Spätfolgen hervorrufen. Die Menschen, die verstrahlt wurden, wurden anfangs hier in Japan während der Besetzungszeit durch die Amerikaner so gut wie gar nicht bedacht. Das Thema war damals in den Medien (USA kontrolliert) komplett tabu. Erst nach dem Ende der Besetzung kam das Thema in die öffentliche Berichterstattung. Seit dem gibt es auch Hilfsprogramme für die Opfer, obwohl der Umfang mehrmals korrigiert werden musste, da die Versorgung der Opfer nicht wirklich gut war. Auch die Anteilnahme an den vielen ausländischen Opfern (chinesische und vor allem koreanische Arbeiter) wird hier in Japan nur teilweise betrieben, in Hiroshima gibt es zwar Gedenkstätten, allgemein nimmt man aber wenig Rücksicht auf China oder Korea, besonders da die Japaner im zweiten Weltkrieg ja bedeutende Kriegsverbrechen in China und Asien begangen haben… aber das ist ein anderes Kapitel, das hat weniger mit Hiroshima zu tun (ich schweife mal wieder ab).

Ich habe mir jedenfalls die Ausstellungen angeschaut und noch ein paar Photos gemacht, die ich euch nicht vorenthalten will. Im ersten sieht man die Bombe (rot) und die Stadt, wie sie danach eingeebnet war. Im zweiten einen Helm und ein Kinderfahrrad, was bei einem kleinen Jungen gehörte, der beim Abwurf starb. Sein Vater hatte ihn damals vergraben, zusammen mit seinem Fahrrad, weil von seinem Sohn kaum etwas übrig war. Als er später das Grab verlegen lassen hat, hatte er das Fahrrad und den Helm der Ausstellung geschenkt.
Das dritte Photo stellt eine Collage vom Atompilz und einer Uhr da, es gibt mehrere Armbanduhren, die ausgestellt sind, die alle um 08:16 stehengeblieben sind, als die Bombe explodierte.

Hiroshima - 7 Hiroshima - 8

Hiroshima - 9
Wer mehr über das Thema allgemein lesen will, hier ein Artikel zu den Atombombenabwürfen und hier ein Artikel zum Thema Hibakusha (überlebende verstrahlte Opfer), beide bei Wikipedia zum nachlesen. Hier noch ein anderer Artikel, der sich mit den Überlebenden Hibakusha befasst!

Ich muss sagen, es war eine sehr bedrückende und beeindruckende Erfahrung, besonders die Geschichten und Ausstellungen der Opfer waren überaus deprimierend. Falls ihr mal die Gelegenheit habt, Nagasaki oder Hiroshima zu besuchen, macht am Ende des Aufenthaltes einen Abstecher in die Peace Memorial Parks!

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Kleiner Nachtrag…
Wie ich später raus gefunden habe, sind durch eine umfassende Bombardierung von Tokyo durch die Amerikaner an einem Tag mehr Menschen als durch die Atombombe ums Leben gekommen, weil der Feuersturm der Bombardierung halb Tokyo niedergebrannt hat. Das ist also absolut mit Europa vergleichbar, wo beide Mächte ja die systematische Bombardierung von Städten praktiziert haben. Besonders die Amerikaner haben sich inzwischen ja einen Namen gemacht, durch systematische Bombardierung von Städten (die nicht immer eine Kriegstechnische Bedeutung haben) den Kriegswillen der Bevölkerung (wie z.B. hier in Tokyo) brechen zu wollen…
Atombomben sind absolut schreckliche Waffen, der Einsatz von normalen Bomben zum Auslöschen ganzer Städte ist allerdings genauso verwerflich… in Europa und in Deutschland hat man dahingehend ja Erfahrung.

Noch eine weitere Anmerkung… das eigentliche primäre Ziel für die Atombombe war damals angeblich Berlin, aber die Kapitulation der Wehrmacht hat verhindert, dass Berlin bombardiert wurde und das Schicksal von Japan, das erst später kapituliert hat, besiegelt.


Veröffentlicht in Erkenntnisse, Reisen

2 Kommentare »

  1. Noch ein Nachtrag:
    Soweit ich weiß, war die Atombombe auch dazu gedacht die Sowjetunion einzuschüchtern. Damit man im beginnenden kalten Krieg seine Ansprüche besser geltend machen kann (Kapitulationsverhandlungen, …). Außerdem wollten die USA eine möglichst rasche Kapitulation von Japan, ohne dass die Sowjetunion eingreifen kann/muss. Dadurch hat man den Fuß in der Tür bzw. auf der Insel im Gegensatz zur SU.

    In dem Zusammenhang auch sehr interessant die Geschichte um die Bombe herum: http://www.sueddeutsche.de/,tt5m2/wissen/artikel/956/57899/

    Kommentar von Christoph — Montag, 14 Januar 2008 @ 11:20 pm

  2. Jap kann ich nur zustimmen zu diesen Nachträgen!

    Kommentar von novarider — Dienstag, 15 Januar 2008 @ 12:31 am


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