Ohayo Gozaimasu Nippon

Grand Sumo Turnier in Tokyo | Montag, 21 Januar 2008

Am Sonntag bin ich beim großen Sumo Turnier in Tokyo gewesen. Es gibt eine ganze Reihe von Turnieren, die übers Jahr verteilt in großen japanischen Städten stattfinden. Das Turnier in Tokyo ist das erste in jedem Jahr.

Der Austragungsort von Sumo Kämpfen ist der Ryogoku Kokugikan, passenderweise direkt neben der gleichnamigen JR Station. Dort angekommen haben wir (Kamyar und ich sind gemeinsam hingegangen, ansonsten war am Sonntag keiner da um mitzukommen) uns erstmal umgeschaut und sind dann in die Halle gegangen. Vor dem Eingang zum Gelände sind auf großen Fahnen die Namen von den aktuellen Sumo Kämpfern dargestellt. Die Wände des Gebäudes sind mit vielen verschiedenen Bildern verziert, beides könnt ihr hier sehen…

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Im inneren der Halle gibt es viele Souvenirshops, ein paar kleine Essenshops und ein kleines Museum. Und natürlich die riesige Haupthalle, wo in der Mitte der Ring steht. Über dem Ring „schwebt“ in der Luft eine Art Dach, damit ihr euch das mal besser vorstellen könnt, hier ein Bild davon.

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Der Turniertag hat einen festgelegten Zeitplan, wir haben uns Vormittags die Amateurkämpfe angeschaut, weil wir da direkt unten am Ring sitzen konnten, da die Karteninhaber noch nicht da waren… Die Sitze sind im Vergleich zu Arenen wie man sie in Deutschland kennt, auch anders aufgeteilt. Im 1.Floor kann man Sitze direkt am Ring buchen (die teuersten und auch komplett ausgebucht seit Dezember) und dann noch Boxen. Diese Boxen haben eine festgelegte Anzahl an Sitzkissen (zwischen 2 – 6 Leute haben dort Platz). Stühle gibt es im ersten Floor nicht, da wird generell in der Hocke oder im Schneidersitz gesessen. Im 2. Floor, für den wir Sitzplatzkarten hatten, gibt es Stühle. Dort ist alles nach Reihen und Sitznummern geordnet, wir hatten mit Reihe 11 ziemlich weit entferne Plätze, trotzdem konnte man noch gut alles sehen.

Leider hat die Kamera von Andreas ja nur 3x fachen optischen Zoom… da hatte ich meine Nikon mit 10x fach optischem Zoom schon sehr vermisst. Daher war es sehr gut, dass wir bei den Amateurkämpfen soweit vorne sitzen konnten und uns das da genau aus der Nähe anschauen konnten. Der typische Zeitplan sieht also am Vormittag bis gegen 14 Uhr Kämpfe der Amateure vor, die sich damit einen Startplatz bei einem der nächsten Turniere sichern können. Gegen 14:30 gibt es die offizielle Zeremonie der Juro Liga, quasi die Mittelklasse der professionellen Sumo Kämpfer. Die kämpfen dann danach bis gegen 16 Uhr die ganz großen Kämpfer in die Halle feierlich einziehen, die Kämpfer der Makuuchi Liga. Da sind die ganzen Ränge von Maegashira bis zu den beiden Yokozunas. Es gibt eine East und eine West Division, beide Divisionen haben je 16 Maegashira, einen Komusubi, einen Sekiwake, zwei Ozeki und einen Yokozuna Rang. Wenn ihr wissen wollt, wer die Namen hinter diesen Rängen im Moment sind, dann schaut mal auf dieser Webseite nach.

Die Rikishi (japanisch für Sumo Kämpfer) treten dann gegen einander an, die Auslosungen werden über das Turnier verteilt gezogen. Am Anfang noch zufällig, im Laufe des Turniers dann im Bezug auf die vorhergehenden Kämpfe. Generell könnt ihr zum Tagesablauf eines Turniertages hier auf dieser Seite mehr lesen, dort gibt es auch noch viele weitere Informationen zu den großen Turnieren.

Aber zurück zu unserem Tag beim Turnier. Nach den ersten Amateurkämpfen haben wir uns noch den Rest der Halle angeschaut und haben auch die ersten eintreffenden Profis gesehen. Ich hab bei zwei guten Gelegenheiten ein paar Profis angesprochen und sie um Photos gebeten… die waren alle sehr sehr nett und haben sich gerne ablichten lassen, ihre Eisesspause unterbrochen und gleich noch einen Kollegen in einem Fall rangeholt🙂

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Bevor die Juro Kämpfer angetreten sind, haben wir uns noch eine Schüssel Chanko gekauft, das originale Sumo Essen. Das wird von den Kämpfern anscheinend in großen Schüsseln mehrmals pro Tag verspeist. Die Kämpfer trainieren sehr früh am morgen, essen und schlafen die meiste Zeit, damit sie ihre beachtlichen Körpermaße erreichen… es gab alle Größen zu sehen. Von relativ normalen, die nur ein bisschen stämmiger und kräftiger als ich waren (ein Amateur, der schnell verloren hatte🙂 ) bis zu richtig dicken Brocken, hier mal ein Amateur, der schon ganz schön was auf den Rippen hat für seinen Rang…

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Die traditionellen Rituale und Zeremonien, die vor und nach einem Kampf sowie vor den Anfängen der jeweiligen Klassen aufgeführt wurden, waren sehr interessant. Besonders in der großen Makuuchi Liga wurden diese Sachen richtig zelebriert und die Leute haben den Kämpfern, die besonders beeindruckt haben, groß applaudiert. So hat einer der Rikishi zum Beispiel das Salz am Anfang ziemlich hoch und weit geworfen, wofür er viel Applaus erntete. Ein anderer hat beim rituellen „Stampfen“ fast einen Stehspagat hingelegt (also auf einem Bein stehen und das andere fast 180° abgespreizt), das wurde groß bejubelt.

Die Kämpfe waren alle samt sehr unterschiedlich, vom Kampfstil und von der Dauer. Einige waren schon nach etwa 15 Sekunden zu Ende, andere gingen fast 2 Minuten. Generell sind sie aber sehr kurz, die Kondition der Kämpfer ist auch nicht für lange Kämpfe und Ausdauer ausgelegt. Bei einem der längeren Kämpfe haben beide Kolosse nach 1 1/2 Minuten schon derart gekeucht, dass ich dachte, das sie beide gleich umfallen wegen Erschöpfung.

Besonders die Kämpfe zum Ende des Turniertages wurden dann sehr spannend, weil die Kämpfer sehr verbissen waren. Da wurden dann auch nicht gerade zimperlich die Verlierer aus dem Ring geworfen. Ein paar haben sich auch verletzt und sind dann hinkend aus der Halle raus gegangen. Gerade die Leute in den ersten beiden Reihen direkt am Ring mussten daher auch immer aufpassen, weil die großen Brocken teilweise sehr schnell aus dem Ring geflogen sind… und von so einem 200 Kilogramm Typen begraben zu werden, das tut sicher weh. Einmal hat es einen Geschäftsmann erwischt, aber dem ging es wohl noch gut. Eine kleine Frau wurde bei einem anderen Kampf dann begraben, keine Ahnung, wie sie die dann vom Boden gekratzt haben… der Typ der raus gefallen war, sah sehr sehr schwer aus.

Ich könnte noch tausend weitere interessante Sachen erzählen… es war insgesamt ein absoluter Höhepunkt meiner Zeit hier. Leider war die Zeit dementsprechend auch sehr schnell rum… daher freue ich mich, dass hier im TV Abends dann immer die Höhepunkte der Kämpfe zu sehen sind… und hier habt ihr zum Abschluss noch ein paar Eindrücke vom Turniertag, ich habe ansonsten mehr Videos gemacht, die zeige ich gerne dann nach meiner Rückkehr mal, zum hochladen sind die einfach zu groß!

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Veröffentlicht in Erkenntnisse, Freizeit

2 Kommentare »

  1. Und ich hätte jetzt gedacht, dass Sekiwake besser als Ozeki ist… So kann man sich irren. Stunden des Sumo schauens auf Eurosport umsonst…

    Kommentar von mf — Mittwoch, 23 Januar 2008 @ 1:27 am

  2. Hehe… ich habe bis auf Yokozuna und Maegashira vorher gar keine Ränge gekannt… also Kopf Hoch!

    Kommentar von novarider — Mittwoch, 23 Januar 2008 @ 9:08 am


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